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Interpretation: Sachliche Romanze

von Marius Müller (10a) © 2001

Erich Kästner: Sachliche Romanze

Als sie einander acht Jahre kannten 
(und man darf sagen: sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden. 
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wußten nicht weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken. 
Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier 
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken. 
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Cafe am Ort 
und rührten in ihren Tassen. 
Am Abend saßen sie immer noch dort. 
Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort 
und konnten es einfach nicht fassen.

 

Meine Interpretation dieses Gedichtes beginnt schon in der Überschrift: Was ist eine sachliche Romanze? Sachlich? Kann eine zwischenmenschliche Beziehung überhaupt sachlich sein? Liebe ist doch etwas persönliches, intimes zwischen zwei Menschen. Ich glaube der Dichter will sagen, dass die beiden Menschen im Gedicht ein normales Liebesleben geführt hatten, wie viele andere Menschen auch.

In der ersten Strophe sagt der Dichter, dass die beiden Menschen sich acht Jahre kannten und dann plötzlich ihre Liebe verloren. Mit dem Vers "Wie anderen Leute ein Stock oder Hut", will der Dichter die vorigen Zeilen unterstreichen. Er will sagen, dass sie ihre Liebe genauso schnell verloren haben wie andere Leute sachliche Gegenstände, völlig plötzlich unverhofft, ungeplant und ohne jede Vorgeschichte. Er will sagen, dass die beiden Leute sich weder weniger umeinander gekümmert haben noch dass sie fremdgegangen sind. Es ist einfach so passiert, ohne dass es jemand wollte.

In der zweiten Strophe sagt der Autor, dass sie traurig waren und sich heiter betrugen. Dies heißt nichts weiter, als dass die beiden Menschen über ihre Entdeckung, sich nicht mehr zu lieben, bestürzt waren und es nicht wahrhaben wollten. Dies wird auch im zweiten Vers (Sie "versuchten Küsse als, ob nichts sei") noch einmal hervorgehoben. Die beiden sahen sich in einer für sie ausweglosen Situation, was im Vers "und sahen sich an und wussten nicht weiter" deutlich wird. 
Die nächste Zeile lautet: "Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei." An dieser Stelle ist die Frau nicht mehr in der Lage, ihre Gefühle zu überspielen und weint. Doch er, der sie wahrscheinlich sonst getröstet hätte, steht lediglich dabei.

In der nächsten Strophe heißt es, dass man vom Fenster aus Schiffen winken konnte. Diese Zeile stellt in meinen Augen eine gewisse Symbolik dar: Schiffe waren in der damaligen Zeit ein Zeichen für die große, weite Welt. Vielleicht zeigt diese Zeile, dass die beiden gerne vor der Situation geflüchtet wären, es aber nicht taten. 
Weiter heißt es: "Er sagte es wäre schon Viertel nach Vier und Zeit irgendwo einen Kaffee zu trinken." In diesen zwei Zellen versucht der Mann diese Situation aufzulösen und auch hier geht keiner der beiden auf ihr Problem ein. Die letzte Zelle der Strophe lautet: "Nebenan übt ein Mensch Klavier." Da ich die Vertonung dieses Gedichtes [von Udo Lindenberg - der Webmaster] kenne, erschließen sich für mich daraus zwei Deutungsmöglichkeiten: Einerseits kann es eine Zeile sein, die die Situation näher beschreiben soll. Andererseits könnten die beiden Menschen gerade über ihr gesamtes Leben mit allen Höhen und Tiefen nachdenken. Dies ist in der Vertonung dadurch hörbar, dass die Tonleiter einmal rauf und runter gespielt wird.

In der letzten Strophe kann ich aus der ersten Zeile "Sie gingen ins kleinste Café am Ort" keine genauere Deutung ableiten.
In der zweiten Zeile heißt es: "Sie rührten in ihren Tassen". Hier will der Autor deutlich machen, dass auch im Café ihr Problem weder angeschnitten noch durch andere Konversation überdeckt wird. Des weiteren heißt es: "Am Abend saßen sie immer noch dort". Diese Zeile sagt möglicherweise aus, dass sie nicht nach Hause zurück gehen, da sie dort zu viel an ihr Zusammenleben erinnert werden. Auch in Zeile 16 wird vom Dichter deutlich gemacht das sie die Gelegenheit haben sich im leeren Café auszusprechen doch es nicht tun. Zelle 17 betont noch einmal die Fassungslosigkeit der Beiden darüber, dass sie ihre Liebe zueinander verloren haben.

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